Der erste Luftartistik Wettbewerb in der Schweiz
Bevor ich mittels Interview vom ersten Schweizer Luftartistik-Wettbewerb erzähle, möchte ich kurz die Frau vorstellen, die hinter diesem Pionierprojekt steht: Nadja Schneider. Wer sie nur oberflächlich kennt, könnte ihre Bescheidenheit leicht mit Zurückhaltung verwechseln – doch in Wahrheit ist sie eine Macherin durch und durch. Nadja ist seit vielen Jahren Luftartistin und leitet mit Tanz der Lüfte eine Schule, die in der Schweizer Szene längst zu einem festen Namen geworden ist. Was vor 18 Jahren mit vier Teilnehmer*innen begann, ist heute eine lebendige Community mit rund 200 Artistinnen und Artisten – sogar ein Profimusiker gehört inzwischen zum Team.
Ich selbst habe Nadja vor einigen Jahren kennengelernt, als ich mich für die community von aerialartistry engagierte. Damals wie heute hat mich ihre Haltung beeindruckt: Sie hat die Kunst nicht nur gelernt, sondern gelebt – mit Mut, Konsequenz und einer tiefen Liebe zum Tanz der Lüfte. Ihren Einstieg fand sie, als sie im Circus Monti eine Luftnummer sah und wusste: «Das möchte ich können.»
Sie ging damals zu Maja Weiller in den Unterricht, ihrer ersten Lehrerin, die ihr nicht nur Technik, sondern auch die Freiheit vermittelte, den eigenen Weg zu gehen. «Bis heute ist Maja für mich eine Inspiration» sagt Nadja am Telefon.
Ihre Laufbahn führte sie durch intensives Training, eine Ausbildung an der Bewegungsschauspielschule und zahlreiche Engagements in Kinder- und Jugendzirkussen. Heute arbeitet sie vielseitig: als Artistin, als Regisseurin, schreibt Drehbücher und verbindet in ihrer Schule erfolgreich verschiedene Sparten – ein Ansatz, dem sie auch in ihrer spartenübergreifenden Klasse treu bleibt.
Hier geht es direkt zur Wettbewerbsausschreibung:
Wettbewerb und Kunst – ist das nicht ein Widerspruch?
Sofort als ich den Flyer per Whatsapp bekommen habe, wurde ich neugierig. Ich wollte mehr darüber erfahren. Ich kontaktierte Nadja per Whatsapp ob wir uns austauschen könnten. Schon bald darauf haben wir uns lange per Telefon unterhalten…
Viele Fragen sich vielleicht warum Kunst und Wettbewerb. Also fragte ich Nadja was sie dazu meint und warum sie denkt, dass ein Wettbewerb trotz Kunst möglich ist…
«Wir haben uns bewusst auf das Wort «Wettbewerb» geeinigt, da die Idee des Wettbewerbs schön längst zu vielen Kunstsparten dazu gehört. Es gibt Malwettbewerbe, Graffiti-Contests, Film-Festivals oder Tanz-Battles. All diese Anlässe zeigen, dass Kunst und Bewertung durchaus nebeneinander bestehen können.
Auch unser neues Format für die Luftartistik ist ein Wettbewerb. Eine Jury wird die gezeigten Darbietungen beurteilen. Gleichzeitig bleibt es ein Fest der Luftartistik – ein Ort, an dem Kreativität, Ausdruck und die individuelle Handschrift jeder Artistin und jedes Artisten im Mittelpunkt stehen. Die Bewertung schafft einen Rahmen, aber die Kunst bleibt frei. Für mich ist es berechtigt und schön, dass die drei Nummern, welche am meisten berühren auch gewinnen. Diese Tatsache kann motivieren, inspirieren, eigene Türen öffnen und Lust erwecken.» Erklärt mir Nadja ausführlich.
Fragen und Antworten rund um den Wettbewerb!
«Die Idee entstand aus dem Wunsch heraus, der Luftartistik in der Schweiz eine eigene Plattform zu geben – einen Ort, an dem Kunstformen über sich hinauswachsen dürfen. Eine gemeinsame Welt zusammen teilen und geniessen. Wir haben in unserem Umfeld immer wieder gesehen, wie viel kreatives Potenzial vorhanden ist, aber wie wenig Gelegenheiten es gibt, dieses sichtbar zu machen. Die Idee war, einen Wettbewerb zu schaffen, der die Kunst und die Leidenschaft für Luftartistik feiert. Der nicht nur technisch bewertet, sondern künstlerische Tiefe, Mut, Ausdruck, Emotionen und Gemeinschaft feiert.
Einander feiern, ist enorm schön.»
«Ausschlaggebend war unsere Energie und Begeisterung . Viele meiner Trainierenden wünschen sich ein Ziel, worauf sie trainieren können, einen Austausch, Sichtbarkeit, Gemeinschaft und eine Bühne, die mehr ist als ein klassischer Wettbewerb. Jetzt ist der Moment, es umzusetzen.»
«Die Schweiz hat eine vielfältige, aber verstreute Luftartistik-Szene. Ein Wettbewerb – Fest kann Brücken bauen, Talente fördern und neue künstlerische Impulse setzen. Er schafft Raum für Begegnung, Emotionen, Inspiration, Freundschaften und Anerkennung. Und: Er zeigt der Öffentlichkeit, wie stark, poetisch und zeitgenössisch Luftartistik sein kann.»
- Förderung der künstlerischen Luftartistik
- Sichtbarmachen junger und professioneller Talente
- Stärkung der Community und Schaffen eines gemeinsamen Erlebnisses
- Austausch zwischen Kunstschaffenden verschiedener Sparten
In Baden Aargau – in der Doppelturnhalle vom KV Baden
«Unser Format stellt die Kunst, die Freude, die Leidenschaft in den Mittelpunkt, nicht die
Perfektion. Wir bewerten nicht nur Technik, sondern auch Ausdruck, Idee, Inhalt, Mut, Erzählkraft und Originalität. Zudem verstehen wir den Anlass als Festival, nicht als reiner Wettbewerb: Begegnung, Austausch und Feiern spielen eine zentrale Rolle.»
«Der Wettbewerb besteht aus einer offenen Ausschreibung. Anmelden können sich sowohl Nachwuchs- als auch professionelle Artist:innen und Ensembles. Einfach Alle die Lust und Freude haben. Das Anmeldeformular ist auf www.tanzderluefte.ch abgelegt.»
«Die Jury besteht aus Personen aus den Bereichen Luftartistik, Choreografie, Tanz, Tanz- Theater und zeitgenössische Performance. Wir haben Menschen angefragt, die für Offenheit, Qualität und künstlerischen Blick stehen – und die ebenso Wert auf Vielfalt wie auf Fairness legen.»
- Inhalt
- Kreativität & künstlerische Idee
- Ausdruck & Bühnenpräsenz
- Technische Umsetzung & Sicherheit
- Originalität & Mut
- Gesamteindruck / Dramaturgie
«Ja. Sicherheit steht über allem. Wir arbeiten mit qualifizierten Rigging-Fachpersonen, klaren technischen Vorgaben und prüfen sämtliche Requisiten und Aufhängepunkte. Nur Acts, die diese Standards erfüllen, können teilnehmen.»
«Da wir noch in Kinderschühchen stecken und mit einem minimal Budget jonglieren, steht das Rahmenprogramm im 2026 nicht im Zentrum. Dafür fehlt uns schlicht das Geld. Noch immer sind wir in der Phase der Sponsorensuche. Noch sind wir auf viele ehrenamtliche Arbeit von Freunden angewiesen. Wir sind bemüht ein tolles Buffet mit Leckereien auf die Beine zu stellen. Das ganze Wettbewerb – Fest darf mit uns wachsen und gedeihen.»
«Ja – das langfristige Ziel ist eine jährliche Durchführung, vielleicht sogar 2 mal im Jahr. Langfristig möchten wir ein Netzwerk aufbauen.
Vision: ein Schweizer Treffpunkt für zeitgenössische Luftkunst, lebendig, fröhlich, genussvoll, mutig, offen.»
«Wir wünschen uns Sichtbarkeit, mehr Austausch zwischen Stilen und Schulen, mehr Mut und Plattformen, auf denen junge Talente und etablierte Künstler:innen sich auf Augenhöhe begegnen können.»
«Mir bedeutet er die Möglichkeit, etwas entstehen zu lassen, das Gemeinschaft schafft. Etwas, das Menschen verbindet und Künstler:innen ermutigt, ihre eigene Stimme zu finden. Es ist ein Projekt, das Herz, Kunst und Mut vereint.
Ich träume von einem genussvollem und fröhlichen Luftartistik-Fest – worauf sich alle freuen. Kunst berührt, Kunst verbindet!»
«Organisation, Finanzierung, Marketing, die Suche nach geeigneten Räumen, Gespräche mit Behörden und Partner:innen – Artistikschulen.»
«Eine Menge Marketing – Arbeit, Menschen von der Idee begeistern – und alles andere sehen wir dann … ich bin überzeugt und voller Vorfreude!
Alles Neue braucht Fleiss, Überzeugung, Biss, Freude, Zeit und Leidenschaft.
Vielen Dank Tamara Gassner, dass ich dir vom 1. Luftartistik – Fest erzählen durfe.»
Was möchtest du jungen Luftartist*innen noch sagen?
«Habe den Mut und Vertrauen deine eigenen Geschichten zu erzählen. Fülle diese mit persönlichen Geschichten, dann kannst du berühren.»
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